Tanzania 2016

Tanzania 2016 

Gegen Mitte 2015 kam die Anfrage von Jon wieder: „Wie siehts aus mit Fischerferien für 2016 im Oktober?“ Da man Jon nicht absagt, kam meine Zusage postwendend. Reisedestination für dieses Mal: Tanzania. Meine vorangehenden Tropentrips mit Jon hatten meine Erwartungen immer erfüllt, da konnte ich gar nicht anders als sofort zusagen. Zwei weitere Personen mussten her um die optimale Personenanzahl für die Reise zu erreichen. Bei Max Heinzer und Ralph Aschwanden brauchte es ebenfalls keine Überredungskünste, somit war die Reisegruppe zusammen. Der Flug war rechtzeitig gebucht und ab da begann das grosse Wettrüsten: Geflochtene Schnüre, Sprengringe, Soldrings, Rollen, Ruten, Popper, Stickbaits, Jigs… Alles nochmals eine Spur heftiger als bisher bei mir im Keller auf Vorrat. Mit Tanzania - wo es hingehen sollte - ist nicht zu spassen! Nicht zufällig sind einige Weltrekordfische in dieser Region gefangen worden. Gegen Sommer dieses Jahres war dann alles zusammen. Wir studierten Videos und unterhielten uns pausenlos- unser WhatsApp Chat schien phasenweise abzustürzen, so viel war zu besprechen (oft auch sehr viel Quatsch… :)). 

Der 7. Oktober kam endlich und Aschi stand wie verabredet um 15.30 Uhr bei mir vor dem Büro. Sachen rein und los ging’s zu ihm um sein Auto abzustellen. Da wurden wir von fischen.ch Botschafter Thomas Geyer weiter zum Flughafen chauffiert. Keine zehn Minuten später waren Max und Jon da- erste Etappe geschafft. Alle rechtzeitig und ohne Verspätung am Flughafen. Geflogen sind wir über Dubai nach Dar es Salaam. Knapp 21 Stunden reisen machen sich mittlerweile auch bei mir bemerkbar- wir waren ziemlich geschafft. Doch wir waren noch nicht am Ziel. Erster Moment der Wahrheit: Gepäckausgabe… Alles vollzählig und ohne Beschädigungen da! Weiter raus vor den Flughafen: Werden wir wirklich wie vereinbart abgeholt? Nach fünf Minuten Suche hatten wir unseren Fahrer gefunden- alles perfekt! Dann aber die zwei Stunden Autofahrt bis zum Hotel… Linksverkehr, keine Strassenbeleuchtung, Schlaglöcher und das alles mit ca. 90 km/h - ein krönender Abschluss der Hinreise. Das Kilimanjaro Bier bei der Ankunft im Hotel war mehr als verdient. Ohne Pause ging’s aber auf die Zimmer- Tackle rüsten. Wunderschöne Anlage, mit sehr geräumigen Zimmern und das alles direkt am Meer. Wir erhofften uns einen Luxusurlaub - es sollte anders kommen :)

Am nächsten Morgen wurden wir vom gleichen Fahrer abgeholt und zum Strand gefahren- ein sehr abenteuerliches Dinghiboot wartete auf die Überfahrt zu unserem zu Hause für die kommenden drei Tage. An Bord angekommen wurden wir von der Crew freundlich begrüsst und es ging los mit Trolling in Richtung offenes Meer. Innen im Boot angekommen wussten wir gleich: wenn wir uns nach dieser Woche noch gut verstehen, sind wir tatsächlich gute Freunde! Die Platzverhältnisse waren extrem eng- wir vier mit zusätzlich 4 Personen Besatzung auf geschätzten 50m2- Tag und Nacht. Vorab: Wir sind noch bessere Freunde als vorher :) Alles ohne Dusche...

Bei der Trollingüberfahrt war ausser einem Biss nicht mehr viel los. Nicht weiter schlimm, da wir uns hauptsächlich auf das Jiggen sowie Popper auf die ganz grossen konzentrieren wollten. Während der Überfahrt wurde uns erzählt, dass GT’s im Moment ganz schlecht laufen, Yelllowfin Tunas aber auf Oberflächenköder an der Spinnrute ganz gut zu fangen sind. Doggies sollten auch überlistet werden können beim Jiggen gegen den Abend. Das machte uns schon zuversichtlich. Am ersten Popping Spot angekommen waren einige Möven auszumachen. Vom Captain ertönte ein: „Cast in this direction!“ Jon war wiedermal am schnellsten: Erster Wurf, zweimal den Popper durchgezogen und BAAAAM!! - das Wasser kochte an der Oberfläche! Was für eine geile Attacke. Der Fisch war nach einiger Zeit am Boot-  ein wunderschöner Yellowfin Tuna der 40kg- Marke! Auf die Yellowfins ging’s genau im selben Rhythmus weiter. Hauptsächlich auf Popper und Stickbarts lieferten uns die Burschen hammerharte Drills. Fische um die 50kg waren an der Tagesordnung. Im Schnitt hatten wir ca. 20 solcher Fische pro Tag- einfach Wahnsinn. Den Jackpot schien Ralph geknackt zu haben. Nachdem sein Popper sehr aggressiv von der Oberfläche gepflückt wurde, musste er die Rute schon nach kurzer Zeit weitergeben- die erste Flucht war sicher 200m lang und ging direkt auf die Bandscheibe. Nachdem jeder von uns schon seinen Beitrag geleistet hatte, dass der Fisch nun sehr nahe am Boot war, ging die Rute zum Schluss an Aschi- er sollte den Fisch als erster sehen und offiziell ans Boot holen. Da war er: hinter dem Boot im Wasser schimmerte ein ein mächtiger Yellowfintuna, müde und abgekämpft vom langen Drill. Noch einige Male pumpen und er ist im Boot. Aber dann: ein riesiger Schatten schwimmt von hinten an , schnappt sich die Schwanzflosse und schüttelt dreimal- weg ist ein Drittel des Prachtstunas! Ach was sollten wir uns noch über diese Haie ärgern! Der „Resttuna“ wog dann trotzdem noch 56kg. Max war in seinen Badelatschen in den Tunadrills ebenfalls legendär- ständig rutschte er aus den Latschen und zog so teilweise den Unmut des Captains auf sich. Uns hat's amüsiert- an dieser Stelle Danke für die herzhaften Lacher Max :) Auch deine Selfieanfälle werde ich in bester Erinnerung behalten... Die Tunafischerei auf Popper und Stickbait war uns aber auf Dauer zu monoton und wir wollten Abwechslung- einerseits von der Technik, andererseits von den Fischarten.

Gejiggt wurde entweder tagsüber in Tiefen um die 100m oder abends in flacheren Regionen um die 50-70m. Durch die zusätzlich noch starken Unterwasserströmungen mussten Jigs von 300-400g verwendet werden- eine sehr kräftezehrende Angelegenheit. Entschädigt wurden wir aber auch hier mit wunderschönen Ruby Snappers, Dogtooth Tunas und auch wieder Yellowfins. Hierzu zwei Highlights:

Ich selbst hatte irgendwie den Dreh beim Jiggen raus: ich fischte die schwersten Jigs im schnellsten Tempo und fing ständig Fische. Auch die anderen hakten ihre Fische aber bei Aschi lief nicht gerade berauschend.Vor allen sollte auch bei ihm noch ein Doggie her, nachdem wir anderen unsere Fotos mit dieser Art schon hatten. Drehbuchmoment Nummer 1 dieser Reise: letzter Abend, Aschi ist beim Jiggen ziemlich verzweifelt. Wir fahren in die letzte Drift. Ich fange wieder Fische, Jon auch. Bei Aschi will einfach gar nichts. Ich ermutige ihn den Jig nochmals runterzulassen und so schnell wie nur möglich mit starken Rutenschlägen wieder hochzukurbeln. Er macht’s. Etwa zehn Meter über Grund krümmt sich sein Rücken mitsamt Rute, die Bremse heult auf. Nach zähem Kampf kommt dieser 28kg Doggie zum Vorschein. Petri mein Freund!

Drehbuchmoment 2: Wir Jiggen, ich fange wieder gut. Jon lässt gerade seinen Jig runter. Unten angekommen feuere ich ihn an: „ So und jetzt Vollgas rauf Jon!“ Dreimal angejiggt und die Bremse heult wie wahnsinnig auf! Die 300m Spule ist innert kürzester Zeit fast leer. Es bleiben ca. 5-10 Umdrehungen auf der Stella 10000 SW. Er blockiert die Rolle von Hand und wir fahren dem Fisch nach. Zusätzlich kämpfen wir mit der Strömung. Hin und her geht das Spiel und wir gewinnen Meter um Meter, nachdem wir zu Beginn wie David gegen Goliath ausgesehen hatten. Alle freuen sich auf einen richtig dicken Grouper oder Doggie. Als sich dann aber nach ca. 100m Schnurgewinn der Fisch immer noch nicht richtig pumpen lässt werden wir in unseren Erwartungen gebremst. Grouper und Doggies kämpfen meist mit dem Druckunterschied ab einer gewissen Tiefe und können so dann relativ einfach ans Boot gebracht werden. Dieser Junge am anderen Ende der Schnur dachte aber nichtmal daran. Mit Biegen und Brechen haben wir es dann aber geschafft. Ein seltener Fuchshai hatte den Jig mit seinem langen Schwanz attackiert- macht er üblich um seine Beute zu betäuben. Wie viel Glück wir in dieser Woche hatten zeigt der Umstand, dass er da bei Jon direkt im Haken hängen blieb. Und jetzt haltet Euch fest: Tags darauf hat Aschi dasselbe Kunststück wiederholt :) Gemäss Crew hatten die bis dahin in dieser Saison keine solche Fänge, in der letzten drei und jetzt fangen wir in zwei Tagen zwei. Die Crew rieb sich verwundert die Augen…

Drehbuchmoment 3: Der dritte Tag, wir sind nach zwei Nächten auf dem Boot völlig fertig. Die Platzverhältnisse sind wie beschrieben eng, die körperliche Belastung hoch. Wir Trollen in Richtung Land und unterhalten uns über das Abendmenü im Hotel vor der Erholungsnacht. Da Trollen nicht unsere Paradedisziplin darstellt und wir eh schon kaputt sind, werden die Bisse beim Trollen der Reihe nach vergeben. Es ist für uns tatsächlich ein „Müssen“, jeweils aufzustehen und den Fisch ans Boot zu holen- einerseits da Trolling nicht unsere bevorzugte Fischereiart darstellt und andererseits weil wir vom Aktivfischen schon völlig fertig waren. Wir hatten all unsere Sachen für die Nacht im Hotel schon gepackt. In der Ferne sah man schon einen dünnen Landstreifen. Dann klippt eine der mittleren Ruten beim Outrigger aus, die Shimano TLD ist kaum zu bremsen. Jon ist an der Reihe. Während dem er noch am Kampfgurt montieren ist, springt ein majestätischer Fisch einige Male ca. 200m weit links vom Boot. Verdammt- was haben wir da gehakt?!? Die Crew ist sich sicher: Marlin. So ist es dann auch. Es kommt Hektik auf dem Boot auf, bis jeder seinen Job fasst. Dann weiss jeder was zu tun ist. Aschi und Max halten die Klappe im Boot drin, ich bin fürs Fotografieren zuständig, der Captain steht Jon zur Seite und die Besatzungsmitglieder folgen den Weisungen des Captains. Dann nachdem sich die erste Nervosität gelegt hat erkennen wir: Der Fisch kam auf die leichteste 50lbs Trollingcombo- das kann ja heiter werden… Jon meistert die Aufgabe souverän und kann nun den Blackmarlin auf der Habenseite verbuchen. Freut mich sehr für meinen mittlerweile langjährigen Fischerfreund- es ist ein besonderes Erlebnis solche Momente miteinander teilen zu können. Völlig übermüdet und viel zu spät kommen wir im Hotel an- wir sind stehend K.O.

Es wären nicht die perfekten Ferien gewesen, wenn bei der Trollingüberfahrt am nächsten Tag nicht auch noch ein Bluemarlin eingestiegen wäre. Wir fassten uns alle an den Kopf und konnten unser Glück nicht fassen. Max hat diesen sauber ausgedrillt. Den Abschluss bildeten dann bei der Heimreise diverse Mahi Mahi Schwärme. Einmal beim Trolling ausgemacht, fingen wir gleich einen oder zwei. Dann aber hielten wir jeweils und warfen sie an. Ein kunterbuntes Erlebnis diesen Fischen beim Springen im Drill zuzuschauen- blau, gelb, grün und das alles wechselnd!

Vom verwendeten Material können wir mit Überzeugung weitergeben, dass es den höchsten Ansprüchen genügt. Bei den Ruten waren die TB Autan (Casting: Popping und Stickbaits) und die TB Bayamo (Jigging) im Einsatz. Keine Probleme- weder bei den Tunas noch bei den Haien. Die Spiderwire Code Red im Durchmesser von 0.40 hielt jeglichen Härtetests stand. Bei den Drillingen waren es wie immer die Owner STX 66. Poppers und Stickbaits waren viele von Bertox im Einsatz und kommen ganz bestimmt auch auf die nächste Tour mit. Bei den Rollen waren Shimano Stella, Twinpower und Saragosa im Dauereinsatz- Grössen 10000-20000. Das Material erhält ihr online bei fischen.ch oder direkt im Laden.

Es war eine perfekte Woche! Viele Entbehrungen, eine körperliche und psychische Belastung, welche aber in Form von qualitativ und quantitativ hochstehendem Fischen entschädigt wurde! Wir vier sind bereit für nächstes Jahr- neue Destination mit hoffentlich wieder vielen neuen Überraschungen… Meine Freunde ich freue mich jetzt schon darauf!

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