Madagaskar 2015: Hardcore Fischen!

Am Vormittag noch bei der Arbeit: Pendenzen im Schnelltempo abarbeiten, die Stellvertreter in die heikelsten Fälle einweisen und dabei nur eines im Kopf: die anstehende Reise nach Madagaskar! Mittendrin die Gewissheit, dass die Sprengringzange vergessen wurde. Zum Glück ist Andy’s Fischershop nur über die Strasse. Schnell hinüber zu ihm und wie immer hat er etwas im Angebot das passt. Der kurze Schwatz über seine erst kürzlich vergangenen Fischerferien auf den Malediven lässt mich nur noch nervöser werden. Endlich ist es 12 Uhr, ab zu meinen Eltern nach Zug. Mittagessen, letzte Sachen werden umgepackt. Jon ist zusammen mit Andy wie immer ca. 20 Minuten zu früh- das liegt weniger an Andy, als vielmehr an Jon ;) Gegen 15 Uhr fahren wir ab in Richtung Mailand. Die Fahrt ist kurzweilig, das Thema unterwegs ist klar. In Mailand lassen wir das Auto auf einem der zahlreichen Aussenparkplätze- das klappt prima. Aufgrund von möglichen Verzögerungen unterwegs sind wir mehr als frühzeitig losgefahren und so bleibt uns am Flughafen eine lange Wartezeit. In dieser wird fleissig weiteres Fischermannsgarn geflochten. Aus Belgrad gesellt sich Slobo mit einer Gruppe von weiteren zwei Personen dazu. In Madagaskar selbst trennen sich dann aber unsere Wege- sie weilen an einem anderen Ort.
Trotz Jons pedanter Packliste habe ich nicht auf ihn gehört. Die Rechnung bezahle ich vor Ort: 130 Euro für mein Übergepäck. Ist mir in diesem Moment egal, nichts Schlimmeres als wenn einem vor Ort das Material ausgeht! Meine Reisen führen mich immer an Orte, an denen jemand wie Andy seinen Shop nicht um die Ecke hat ;) Nach dem Check-In wird uns erklärt, wo wir unsere Rutenrohre aufgeben können. Nachdem wir den ersten Ort, den man uns erklärte, nicht einmal finden fragen wir wieder nach. Auf zum nächsten Ort: wieder nichts… langsam werden wir nervös. Und jetzt kommt’s: angeblich an der richtigen Stelle angekommen, sagt uns ein Ordner, wir sollen die Rohre im Warenaufzug vor ihm deponieren. Der Aufzug fahre ein Geschoss tiefer und die Rohre nehmen angeblich ihren richtigen Weg. Mit einem mehr als mulmigen Gefühl schliesst sich die Lifttüre und wir schliessen nicht aus, dass es das mit unserem Urlaub war- auf Handleinenfischen haben wir bei unseren Zielfischen definitiv keine Lust.
Im Flieger schlafe ich dann relativ schnell ein. Immer wieder wache ich auf- Economy Class eben. Nach etwas mehr als 10 Stunden landen wir in Nosy Be. Drückende Hitze- unverständlich französisch sprechendes Flughafenpersonal- Hektik. Ein ca. 100m2 grosser Raum für die Gepäckausgabe in dem sich schnell sehr viele der über 300 Passagiere tummeln. Ich drehe fast durch…Zumindest erscheinen die Rutenrohre sofort- YEAH! Jons Tasche ist dann auch schnell auf dem nur 10m langen Rollband. Miro darf sein Gepäck dann auch nach aussen tragen, da beginnt für Andy und mich das grosse Warten. Gepäckstück um Gepäckstück wird von den Mitpassagieren vom Band gehoben- auf unsere warten wir vergeblich. Völlig durchnässt und verschwitzt ist es dann nach 1.5 Stunden auch für uns soweit- Halleluja!!! Draussen wartet das Taxi schon zusammen mit unserem Betreiber der Unterkunft, die wir gebucht haben. Es geht zur Übernachtung ins Hotel, von wo aus es am folgenden Morgen in unser Zielgebiet geht.


Im Hotel gibt’s nach den ganzen Strapazen erstmal ein Bierchen. Zum Nachtessen gibt’s ein hervorragendes Filet de Zébu gefolgt von zwei Kugeln Vanilleeis zubereitet mit lokaler Vanille- ein Traum! Danach geht das grosse Riggen los: Verbindungsknöpfe, Assist Hooks, Popper und Stickbaits an die Hardcore Spinning Combos. Das kostet uns eine Weile Zeit. Am Schluss schauen wir uns dann noch eine Halbzeit lang an wie der eine FCB auswärts patzt und der andere sich eine hervorragende Ausgangsposition fürs Rückspiel holt. Nicht bewusst ist uns in diesem Moment, dass wir diesen „Luxus“ nun knapp sieben Tage mehr als vermissen werden- dazu im weiteren Verlauf schon bald mehr. Am nächsten Morgen geht’s pünktlich um 7 Uhr los. Schon um 5.15 Uhr stehe ich kurz nach Sonnenaufgang auf der Terrasse und sehe aufs Meer hinaus; ich platze fast vor Vorfreude. Unsere Koffer sind bald auf dem Boot, das Material zum Fischen auf der Überfahrt ist griff- und einsatzbereit. Nach ca. 1.5 Stunden Fahrt erreichen wir ein erstes Plateu- Popping ruft der Kapitän aus dem Führerstand. Endlich fliegt der Savage Gear Freestyler in Richtung Salzwasser. Es dauert auch nur einige Würfe bis zu meinem ersten Strike- GENAU DAS HABE ICH VERMISST!! Die Stella 10000er heult auf und der Tanz beginnt. Die Kaibutsu Long Cast macht alles prima mit, ich kann den Fisch forcieren und ihn nach ein paar Minuten den GT der kleineren Liga ans Boot bringen. Erschöpft gibt’s die erste Erholungszigarette- innerlich bin ich zufrieden und gönne mir schon früh einen Schluck Bier. Auch bei den anderen schlägt’s bald mal ein, einige Bisse können noch verzeichnet werden. Miro hält sich mit Fischen noch zurück, obwohl ich ihm die ganze Ausrüstung diesmal gestellt habe- seine Zeit soll aber noch kommen ;)


Weiter in Richtung Camp erscheinen verschwommen 4 kleinere Inseln am Horizont. Mit jedem Wellenschlag mehr der uns durch die Wirbelsäule bei Vollspeed durchgejagt wird, werden diese aber grösser. In einiger Distanz davor halten wir wieder- diesmal zum Jiggen. Wieder dauert es nicht lange und wir fangen unsere Fische. Bald möchten wir aber in Richtung Unterkunft um uns noch vor Sonnenuntergang einrichten zu können.
Dort angekommen muss dann wahrscheinlich ein jeder von uns die Erwartungen an Komfort und Infrastruktur dieser Reise um einige Stufen nach unten korrigieren. Wir haben gewusst, dass es einfach wird, aber so… Offene „Zelt-Hütten“ direkt am Strand, das Bett eine einfache kleine Matratze auf einem Betonfundament in diesen Hütten, Plumps-Klos, Eimerduschen, eine offene Feuerstelle- Unser Domizil für die kommende Woche. Auf der einen Seite weckt das den Abenteurer in mir, auf der anderen Seite überlege ich mir natürlich als junger Familienvater schon, was für Gefahren aufgrund der Gegebenheiten auf mich warten. Ausser Schlangen, Skorpionen, Ratten, giftigen Tausendfüssern und vielem mehr ist das in etwa alles ;) Andy scheint sich darauf am besten eingestellt zu haben. Alle lechzen förmlich nach seinem superwirksamen Insekten- und Tierspray. Schnell laufe ich ins „Zimmer“ und sprühe alles rund um die Matratze ein. Das überhängende Moskitonetz über der Matratze spanne ich satt unter die Matratze und wiege mich so einigermassen in Sicherheit. Trotzdem ist die erste Nach der reinste Horror. So viele Töne von Tieren, das Meeresrauschen- das bin ich mir einfach nicht gewohnt. Übernächtig bestätigen mir alle anderen drei dasselbe. Miro hat besondere Bedenken schon nach der ersten Nacht. Ein Rauschen in der Nacht lässt ihn aufhorchen und zur Taschenlampe greifen: frech blickt schaut ihm auf Augenhöhe eine Ratte ins Gesicht und knabbert an seinen Flip-Flops. Von seinem „Hau ab!“ erwache sogar ich im Nachbarszimmer- die Ratte ist aber weg. Froh, dass der Tag anbricht und wir aufs „sichere“ Meer können, sind wir um 7 Uhr bereit.


Von hier an sind die Erlebnisse in meiner Erinnerung verschwommen greifbar. Die Tage sind lang und wir sind jeweils mehr als erschöpft am Abend. Das lässt uns dann auch nach der dritten Nacht sehr gut schlafen- bis auf Miro- der hat bis zum Schluss jede Nacht mit tierischen Besuchern zu kämpfen. Einmal landet ein Frosch direkt vom Dach der Hütte auf seinem Moskitonetz 
Nun zur Fischerei: generell sehr gut! Wir fahren täglich Unterwasserberge an und Jiggen teilweise gut bis sehr gut- es gibt da aber einige Nuller- Anfahrten. Das Popping und Stickbait Fischen ist auf Plateaus und rund um die Inseln möglich. An den ersten beiden Tagen holen wir dann am Abend auch sehr viele GT’s ans Boot- ich kann es nicht genug erwähnen: einmalig brachiale Kämpfer. Beim Jiggen holen wir viele verschiedene Arten, auch hier aber erstaunlich viele GT’s. Die „Palangrotte“-Montage kam jeweils immer dann zum Einsatz, wenn wir erschöpft von der aktiven Fischerei um eine Pause bettelten: Dabei haben wir Fischfetzen am Jighook in die Tiefe gelassen und die Montage knapp über Grund hüpfen lassen. Auch da gab es immer wieder Fisch! Die kurzweiligste Fischerei war die auf Bonito und Skipjack: am Vormittag werden auf dem Meer draussen Vogelschwärme gesucht- unter ihnen kocht das Wasser. Bonitos oder Skipjacks umkreisen da von unten kleine Futterfische und das Wasser sprudelt nur so. Die Vögel picken sich von oben die Rosinen heraus- ein Spektakel! Wir jagen dabei unsere pilkerartigen Löffel bis 60g in den Schwarm. Am verhältnismässig leichtem Hechtgerät ein Riesenspass!
Über die ganze Woche verteilt fangen wir ziemlich gut. Von Groupern, GT’s, Königsmakrelen, diversen Snapper Arten- fast alles ist dabei. Ein wenig schade ist, dass wir die Sails nur steigen sehen und keiner hängen bleibt. Da sind wir auch ein wenig selbst schuld. Da die aktive Fischerei so abwechslungsreich ist und uns Spass macht, Schleppen wir die ganze Woche vielleicht insgesamt 2 Stunden- vermessen in dieser Zeit einen Sail zu erwarten.
Zu den fischereilichen Higlights: bei Jon und Milan ganz klar die Yellofins von 8 bzw. 10kg. Wir fahren dabei Schwärme und kochendes Wasser an wie bei der Jagd nach Bonito oder Skipjack. In der Nähe des Schwarms erkennen wir die YFT. Zu spät um aufs härtere Gerät umzusteigen. Raus mit dem „Pilkerlöffel“ mitten in den Schwarm, 5 Kurbelumdrehungen und einige Sekunden später ist massiv weniger Schnur auf der Rolle. An den Hechtruten ein unvergesslicher Drill. Nach diesem Fisch bin ich überglücklich!


Miro holt sich am letzten Tag bei der Rückfahrt einen ca. 25kg GT am Jig. Gekonnt pumpt er diesen in schnellem Tempo aus der Tiefe. Die Sehnenentzündung im Finger lässt ihn den guten Kämpfer nun sicher einige Tage nicht vergessen 
Ich selbst jigge an einem Tag noch an meiner überaus robusten Jigging-Combo einen Fisch der Mittelklasse aus der Tiefe- ziemlich um die Mittagszeit. Ich bin schon fast übersäuert, als ich auf die Rolle schaue und sehe, es ist nicht mehr viel Geflecht draussen, vielleicht 20m. In diesem Moment gibt’s einen Schlag in die Rute und ich habe Mühe mein Gleichgewicht zu halten. Die Rolle surrt und ich halte mit voller Kraft dagegen.ca. 100m Schnur sind wieder draussen. Diese Flucht auf fast „full drag“ kostet mich zu viel Kraft- ich übergebe die Rute Andy. Er pusht richtig und bringt den Fisch bald ans Boot in ca. 20 Minuten. Nun sehen wir den Hai, der sich meinen Fisch am Jig geschnappt hat und dabei hängengeblieben ist. Andy will mir meine Rute für die ca. letzten 20 Meter übergeben. Ausgeruht lege ich mich voll rein und pumpe ca. 5 Mal wie ein Irrer an- ein Knall und die Rute ist gebrochen. Dabei schwimmt der Hai noch in Miros Schnur und reisst seine und meine ab. Viel Arbeit für nichts, aber so kann‘s gehen ;)


Andy holt sich beim Jiggen einen wunderschönen und überdimensionalen „Goldfisch“- wir haben den Namen leider vergessen. Der fordert ihm im Drill einiges ab, lässt ihn aber umso verschmitzter in die Kamera lächeln beim Fangfoto. In Erinnerung werden ihm sicherlich auch die Abendwürfe mit der Fliegenrute vom Strand aus bleiben. Grosses blieb da zwar nie hängen, aber seine Hornhechte hat er mit beachtlicher Verlässlichkeit geholt.

Zurück im Hotel für die letzte Übernachtung schlagen wir richtig zu und lassen uns Zébu-Filets schmecken- zu viel Fisch haben wir die letzten 6 Tage gegessen. Das Bad im Pool, die Klimaanlage im Zimmer, der Restaurantbetrieb und weitere Annehmlichkeiten lassen wir uns nicht nehmen.
In Sachen Ausrüstung habe ich zwei Stellas der 10000er Grösse: eine zum Jiggen und eine fürs Popping. Die Popping Combo vollendet die Shimano Kaibutsu Long Cast Rute und die Jigging Stella wurde mit der Hart Edition Anima gepaart. Aufgrund des Hai Vorfalls gibt’s da aber bald etwas Neues. War vor Ort aber kein Problem, da wir immer genug backup Tackle dabei hatten. Die Bonito und Skipjack-Fischerei habe ich mit der Westin W3 und der Daiwa Seagate 3500H bestritten- vor allem beim YFT ein Spass erster Güteklasse! Einfach geil wie da alles gestimmt hat. Bei den Schnüren haben wir Schock Leader von 1-1.4mm verwendet, sowie Geflecht zum Werfen und Jiggen von 0.30-0.40mm. Marken wie Spiderwire Code Red oder Powerpro Schnüre reichen hier völlig aus.
Eine Reise genau nach meinem Geschmack- Madagaskar hat mich mit grosser Sicherheit wieder!


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