Kopf oder Zahl?

Fliegenrute oder Spinnrute? Kurz davor eine Münze zu werfen, erinnere ich mich an die neuen Heugümper, die ich unbedingt noch ausprobieren will. Die Würfel sind somit auch ohne Münzwurf gefallen und ich mache mich auf den Weg an die Oltner Aare.

 Ich hoffe dass der Wetterumschwung etwas bewirkt hat, denn in den letzten Wochen lief bei mir wenig bis gar nichts mit der Fliegenrute. Ich kann die Fische verstehen, bei dieser Hitze bewege ich mich schliesslich auch nicht gerne.

Auch an diesem Tag: Oberflächenaktivität Fehlanzeige! Zum Glück gibt es da ja noch die Gruppe Alet, die sich nach dem diesjährigen Hochwasser fix an einem Ort niedergelassen hat. Nicht sonderlich überrascht entdecke ich dann auch die grossen dunklen Schatten, die gemächlich in der leichten Strömung stehen.

Wie immer pirsche ich mich vorsichtig von hinten heran, bis die Fische in akzeptabler Wurfdistanz stehen. Nichts ahnend schlürfen sie von Zeit zu Zeit wieder etwas von der Oberfläche. Meine Wahl fällt natürlich auf den Heugümper, denn dieser war ja schliesslich der Grund, weshalb ich keine Münze geworfen habe. Aber irgendwie ist mir das Insektenimitat aus Schaumstoff noch reichlich suspekt. Ich hoffe es schreckt die vorsichtigen Fische nicht gleich auf wenn es im Wasser landet.

Meine Bedenken sind völlig unbegründet. Sanft landet er auf dem Wasser, dreht sich sofort auf den Bauch und treibt verführerisch auf die Dickköpfe zu. Sofort lösen sich zwei aus der Gruppe und inspizieren den vermeintlichen Leckerbissen aus nächster Nähe. Mein Puls schiesst in die Höhe. Ich liebe diese Anspannung vor dem Biss, wenn der mächtige Rücken dieser Fische an der Wasseroberfläche klebt und sie nur wenige Zentimeter hinter dem Köder herschwimmen. Noch bleibt der Biss aus, der Puls senkt sich wieder ein wenig.

Nächster Wurf: Schon wieder habe ich einen Interessenten für meinen Heugümper. Sofort kehrt die Anspannung zurück. Der weisse Mund öffnet sich langsam, ein schmatzendes Geräusch, der Heugümper verschwindet! Tatsächlich, die Alet stehen drauf, der Fisch hängt, ich drille.

Normalerweise ist nach einem Fisch Schicht im Schacht. Der Rest der Gruppe steht aber wie nichts gewesen wäre noch am selben Ort. Nun gut, ein weiterer Versuch kann nicht schaden. Der Heugümper landet wieder an derselben Stelle wie die Würfe zuvor. Und auch dieses Mal bleibt er nicht lange unentdeckt. Wow, das ist aber einer der grössten der Gruppe. Meine Pumpe hämmert wie wild. Er dreht kurz ab, ein kleiner Zupfer in die Fliegenschnur und der grosse Alet stürzt sich doch noch auf das wehrlose Schaumstoffinsekt. Die 5# Rute krümmt sich. Mein Gegenüber scheint mächtig sauer zu sein. Mit einer Flucht mitten durch die Gruppe lässt er auch den allerletzten seiner Freunde wissen, dass eine Fresspause jetzt mehr als nur angebracht wäre.

So ist es dann auch. Ein weiterer Wurf mit dem Heugümper löst die erwartete Reaktion aus. Die Fische verabschieden sich für heute.

Ich will aber noch weiterfischen und montiere einen kleinen orangen Streamer, der mir dieses Jahr schon eine wunderschöne Aareforelle gebracht hat. Lange geht es nicht und es rumpelt bereits wieder in die Orvis Hydros. Der Fisch bleibt kurz stehen, ich denke bereits wieder an einen Alet. Ich forciere ein bisschen und dann geht es los. Eine Forelle, definitiv eine wirklich schöne Forelle! Und schon schiesst der Puls wieder in die Höhe. Nach einigen rasanten Fluchten liegt die Schönheit in meinem Kescher.

Glücklich über den schönen Fang setze ich mich ans Ufer, werde mir wieder bewusst wie schön unsere Passion ist und geniesse die schöne Abendstimmung.

Tight-Lines, Euer André!

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