Herbstzeit - Äschenzeit

Jedes Jahr nach der Forellen-Saison, folgt verlässlich pünktlich die Äschen-Saison. Für mich persönlich eine der besten Gelegenheiten, tolle Tage am Wasser zu verbringen - gerade bei einem so warmen Herbst wie diesem.
Das Wasser an den meisten Fliessgewässern ist nun meist sehr klar und der Wasserstand tief. Die Fussgänger- und sonstige “Emission” fängt an deutlich nachzulassen, man verbrennt sich nicht mehr die Rübe und wenn dann an einem warmen, sonnigen Herbst-Tag auch noch  ein spontaner Eintagesfliegen-Schlupf stattfindet, kann man unvergessliche Momente beim Fliegenfischen erleben.

Ich bin noch kein wirklich versierter Äschen-Profi. Trotzdem teile ich gern meine Erfahrungen, die ich nach den ersten paar Saisons der Äschen-Pirsch mit der Fliegenrute gemacht habe. Ausserdem gibts natürlich ein paar Fotos auf die Augen :)

Das wichtigste voraus: Auch wenn an vielen Schweizern Gewässern eine (viel zu) grosszügige Tages-Fangzahl erlaubt ist und nichts dagegen spricht, zwischendurch mal bewusst einen Fisch fürs Znacht zu entnehmen, muss man sich darüber im Klaren sein, dass was man mitnimmt, nachher nicht mehr da ist. Simple as that.

Äschen-Gewässern der Schweiz
Die Schweiz bietet einige wirklich gute Äschengewässer. Zu den bekanntesten gehört sicher die Aare, die von der Grimsel Region durch den Brienzer und Thunersee fliesst, bis sie in Bern zu stattlicher Breite angewachsen ist. Leider ist die Aare gerade in Bern sehr stark befischt und man muss zum Teil schon gute Nerven haben, um einen entspannten Tag am Wasser verbringen zu können. Ausserdem die Limmat in der Region ZH, den Linthkanal, Mühlebach und Rautibach in GL und auch ein Ausflug Richtung Bündnerland lohnt sich allenfalls. Hier am besten fleissig Googeln und sich rum hören. Das suchen und finden toller Gewässer gehört für mich zur Herausforderung und zum Spass des Fliegenfischens dazu. Ich habe z.B. zu Anfang der Forellensaison etliche Tage damit verbracht, mit Freunden neue Gewässer abzufahren und auszukundschaften.

Ausrüstung / Rute
Für das Fliegenfischen auf Äschen, ziehen wahrscheinlich die meisten mit einer Rute der Schnurklasse 4-5 los. Wenn praktisch ausschliesslich an kleineren Gewässern gefischt wird, ist auch eine 3er oder für das primäre Nymphenfischen sogar eine 6er angebracht. Auch sehr beliebt sind längere 10 Fuss 3# - #4 Ruten, vor allem für alternativen Nymphentechniken wie Czech, French oder Spanish Nymphing. Ich persönlich mag eine 4/5er Rute in 9 Fuss Länge mit moderater Aktion am besten. Gerade nach der Forellensaison habe ich die Tendenz, viel zu schnell “anzuschlagen”. Es macht auch einfach mehr Spass, damit einen Fisch zu drillen. Ansonsten brauchts eine passende WF Schnur nach Gusto und ein 12 Fuss Vorfach (Ja genau 12 Fuss - die üblichen verbreiteten 9 Fuss Vorfächer sind einfach zu kurz - Das Vorfach streckt sich selten perfekt und die zusätzliche Länge hilft - probierts einfach aus, für mich war es ein totaler “Aha” Effekt.)

Die Qual der Wahl
Die meisten sagen, Äschen nehmen, vor allem später im Jahr, immer kleinere Nahrung zu sich und man soll die Fliegen und Nymphen dementsprechend “downsizen". Ich bin bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich überzeugt, ob man das generell so behaupten kann. Ich habe zu viele Geschichten gehört und Erlebnisse gehabt, wo genau das Gegenteil der Fall war. Auch hier muss man einfach ausprobieren - es gibt aber sicher Zeiten, wo sehr kleine Dry Flies (Grösse 20 und kleiner) einfach besser funktionieren.

Fliegen und Technik
Ich finde zum Äschen-fischen passen CDC Trockenfliegen irgendwie super. Ich persönlich fische diese sehr gerne, aber auch erst, seid ich das dazu passende CDC Öl als Schwimmittel verwende. Dieses verklebt die feinen CDC Fibern nicht und lässt das Muster tatsächlich viel länger schwimmen. Generell habe ich gute Erfahrungen gemacht mit Fliegen in braun, weiss oder pink. Gute Fliegen sind sicher die F-Fly, verschiedene Parachute Muster, Ballon Caddis, aber auch CDC Emerger. Die selben Farben plus olive finde ich in der Form von Nymphen auch sehr gut. Hier ist z.B. die MP 134 ein sehr gutes Muster im Tandem mit einer kleinen Perdigon. Ich fische oft ein Tandem aus grosser, schwerer Nymphe oben und sehr kleiner Nymphe unten. Die kleine ist dann an einem ca. 30cm langen Ausleger an der grösseren im Hakenbogen angebunden. Meistens fische ich Nymphen mit der Schlaufentechnik alà Roman Moser, übrigens ausführlich erklärt in Günter Feuerstein’s Buch: “Erfolgreich Nymphenfischen auf Salmoniden”. Das ist leider nicht einfach - ich bin nach wie vor diese Technik am üben, aber die Erfolge stellen sich langsam ein, sogar an meinem zickigen, tiefen, Limmat Heimgewässer auf Forellen. Den Durchbruch brachte eine live Einführung von Daniele Di Fronzo - herzlichen Dank nochmal an dieser Stelle! Mich dünkt der gleichmässige, Grund-nahe lauf der Nymphe essentiell für den Erfolg. Stimmt der Lauf optisch und gefühlt, kommen meistens auch sofort die Bisse. Die Schwierigkeit ist, diesen Lauf möglichst effizient und lange hinzubekommen. Das wird mit der Zeit und Übung immer besser. Hoffe ich. ;)

Sie steigen!
Neben den bekannten und offensichtlichen Ringen ist hier mein Tipp, sich mal vor allem auf sein Gehör zu konzentrieren. Äschen machen nämlich bei der Nahrungsaufnahme an der Oberfläche ein sehr charakteristisches schlürfendes oder schmatzendes Geräusch. Schwierig zu erklären, aber mit der Zeit kann man es tatsächlich gut heraushören und sogar vom Sandwich schmatzenden Kumpel unterscheiden ;)

The Hatch - Eintagesfliegenschlupf
Insekten schlüpfen, anders als im Sommer, jetzt nicht mehr unbedingt gegen Abend, sondern gerne während den wärmsten Zeiten des Tages, also eher am Mittag oder bei spontanem Sonnenschein. Das ist aber je nach Gewässer anders - es ist also Beobachten angesagt. Sollte man das Glück haben, jemals so einen richtigen Schlupf mitzuerleben, kann man so wie ich, vor lauter Aufregung und Freude alles falsch machen, jeden Biss verhauen und keinen Fisch fangen oder es gleich beim ersten mal besser machen und:
- Ruhe bewahren
- Match the hatch - ein passendes Muster aussuchen in Farbe, es darf ruhig etwas grösser sein als die schlüpfenden Insekten
- Kleine Muster schon vorher auf ein Stück Monofil aufziehen, damit man sie auch im halb-dunkeln schnell anknüpfen kann
- Stirnlampe! Was hätte ich für eine Stirnlampe gegeben, natürlich hatte ich genau an diesem denkwürdigen Abend an der Aare keine dabei

Äschen Hotspots
Mich dünkt, die grösseren Äschen stehen gerne eher vorne in einem Lauf und auch gerne mal mitten in der Hauptströmung. Ansonsten finde ich die Bereiche, wenn es nach einer Stromschnelle oder sonstigen Struktur wieder gleichmässig anfängt zu fliessen, immer einen Versuch wert. Auch die "Bubble Lines”, wie sie mein Freund Tom (http://expeditom.com) gerne nennt, die sich zwischen zwei Strömungen verschiedener Geschwindigkeit bilden, sind Spots die man unbedingt abfischen sollte. Der letzte Tipp ist: Immer erst auch den ganz flachen Nahbereich probieren, bevor man sich wie ein Elefant in Wathosen in die Fluten stürzt ;) Auch grosse Äschen stehen manchmal in überraschend flachem Wasser.

Nun wünsche ich viel Spass bei der herbstlichen und winterlichen Äschenpirsch!
André

Geht auch mit der leichten Switch Rod
Schön aber kalt - Äschenfischen im Februar
 
 
 
 

(1) Kommentare

  • Äschenfischen mit André

    Das hast Du sehr schönen geschrieben, aber auch die Äschen-Bilder sind sehr schön.
    Weiter sooo . . . lieber André
    P.S. Ich fische bereits schon über 40 Jahre mit der Fliege auf Winteräschen
    Herzlichen Äschen-Petrigruss FlügeWalti

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