Fliegenfischen auf Alet

"Die Nerven liegen blank, das Adrenalin pulsiert in den Adern, "jetzt nur keine falsche Bewegung, oder einen zu weiten Wurf.." denke ich mir, als ich die Rehhaar Sedge vorsichtig neben mir in die Strömung schnippe um die Schnur zu verlängern."

Eigentlich wollte ich nur kurz mit dem Fahrrad den Wasserstand checken bei einem meiner Barben Spots. Chris Rownes wollte unbedingt mal eine fangen hier bei uns, also wollte ich mich vor meinem Freizeit Guiding vergewissern, ob die Bedingungen auch wirklich passen. Als ich an einem anderen guten Spot vorbeifahre, sehe ich aus dem Augenwinkel im glasklaren Wasser nur 5-6 grosse dunkle Schatten und halte Geistesgegenwärtig an. Ich lasse das Fahrrad vorsichtig seitwärts auf den Boden sinken und schleiche mich wie ein Indianer an das Geländer um von oben einen besseren Blick zu erhaschen. Ja tatsächlich, da unten im Kehrwasser steht eine Gruppe grosser Döbel und schlürft genüsslich Insekten. Ich bin etwas erstaunt dass sie da so unvorsichtig im klaren Wasser stehen, nur ca. 1.5m vom Ufer entfernt. Mittwoch ist heute, geht es mir durch den Kopf, also mitten unter der Woche, keine Fussgänger, keine Jogger, keine anderen Angler - nichts. Scheinbar wissen das die Schuppis genau.

Natürlich kann ich nicht wiederstehen mein Glück zu versuchen, aber wie komme ich die Treppe zum Wasser runter, ohne dass mich die Flossenträger bemerken? Da, etwa 5m weiter rechts, gibts eine Möglichkeit durchs Dickicht runter zu schleichen. Leider mitten durch die Dornen und Brennnesseln, aber man ist ja kein Weichei. Ein paar "Auas" später, stehe ich geduckt hinter einem kleinen Felsen, habe rechts nach Hinten etwas Platz für den Rückwurf und die Döbel Crew steht tatsächlich noch immer nichtsahnend in der Rückströhmung und saugt munter Kleingetier. "Da hats ein paar Grosse zwischen 50cm und 60cm dabei..",  denke ich mir und im selben Moment wird mir wieder bewusst, wie heikel die grossen Alet sind.

Die Nerven liegen blank, das Adrenalin pulsiert in den Adern, "jetzt nur keine falsche Bewegung, oder einen zu weiten Wurf.." denke ich mir, als ich die Rehhaar Sedge vorsichtig neben mir in die Strömung schnippe um die Schnur zu verlängern.

Der erste Switch Cast ist etwas zu kurz, die Sedge landet einen halben Meter unbemerkt hinter den Jungs. Also gleich nochmal etwas weiter. Diesmal einen Rollwurf, die Fliege landet perfekt präsentiert vor einem der grossen Alet, der meine Präsentierkünste mit stoischer Ignoranz quittiert. "Tja, dann gleich nochmal, vielleicht war die Präsentation sogar zu unauffällig" - Mit einem weiteren Rollwurf landet das Köcherfliegen-Imitat vor einem etwas kleineren Fisch. Auch dieser zeigt null Interesse. Die Döbel stehen in ca. 1m Wassertiefe, scheinbar nehmen sie aufsteigende Nahrung zu sich. Deshalb wechsle ich das Muster auf eine kleine Nymphe. Diese wird nach dem Aufprall im Wasser etwas absinken und so bestimmt die Aufmerksamkeit der Fische auf sich ziehen. Puhh - Köderwechsel mit zittrigen Fingern ist immer so ne Sache, jetzt bloss cool bleiben und keinen Blödsinn machen. 

Endlich ist die Nymphe dran und ich benutze wieder die Strömung neben mir um die Schnur auf sinnvolle Wurflänge zu bringen. Dann ein weiterer Rollwurf, yesss! Die Nymphe sinkt genau vor einem der besseren Alet ins Wasser. Dieser macht einen kurzen Schlenzer nach rechts und verfolgt die absinkende Nymphe und ich verliere ihn kurz aus meinem Gesichtsfeld hinter dem Felsen. Deshalb nehme ich ganz vorsichtig "Fühlung" auf und bemerke den Biss, zur Sicherheit setze ich trotzdem noch einen gefühlvollen Anhieb und Mr. Döbels kämpft bereits wütend im Kehrwasser! Hahaaaahaaa - gotcha!!! :)

André ;)

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